Wanderschaft

Wanderfische wie Stör, Lachs, Aal und Maifisch suchen für jeden Abschnitt ihres Lebens die passende Umgebung. Sie schwimmen zwischen Fluss und Meer, um Laichplätze oder ausreichend Nahrung zu finden. Häufig erschweren ihnen Fischernetze, Verschmutzungen im Wasser oder Dämme den Weg.

Lachse wandern flussaufwärts: Diese Reise ist zwar beschwerlich, an ihrem Ziel angekommen werden die Fische aber mit Laichplätzen und ausreichend Futter belohnt. |Foto: 123rf

Wer wandert wohin?

In unsere heimischen Gewässern finden wir eine Vielzahl von Wanderfischen: Aal, Maifisch, Lachs, Stör oder Stint. Sie alle wandern zwischen Meer und Fluss, wobei sich die Richtung ihrer Wanderung unterscheidet.

Der europäische Aal wird südlich der Bermuda-Inseln geboren. Es dauert mehrere Jahre, bis die kleinen Glasaale die Küsten Europas erreichen. Hier steigen sie die Flüsse auf, wo sie sich von Würmern und kleineren Fischen ernähren und wachsen zu einer Länge von bis zu 1,2 Metern heran. Dann wandern die schlangenartigen Fische wieder flussabwärts ins Meer, um selbst Nachkommen zu zeugen. Dafür schwimmen die erwachsenen Aale mehr als 500 Kilometer zurück in die Sargassosee.

Anders machen es der Lachs und Stör: Sie verbringen ihr Leben als erwachsener Fisch im Meer und schwimmen zum Laichen flussaufwärts. Der Lachs hat seine Futterplätze vor Grönland und schwimmt als erwachsener Fisch gegen den Strom des Flusses, um im Oberlauf des Flusses seine Eier abzulegen. Diesen beschwerlichen Weg schafft er kein zweites Mal. Störe dagegen investieren weniger Energie und ziehen über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren immer wieder zum Laichen in die Flüsse.

Warum braucht der Wanderfisch verschiedene Lebensräume?

Die Ursachen für Wanderungen sind vielfältig: Viele Lebewesen sind aufgrund veränderter Umweltbedingungen dazu gezwungen, ihr Habitat zu verlassen. Beispielsweise lösen Hochwasserereignisse häufig Wanderbewegungen unter den Wasserbewohnern aus, die vor suboptimalen Bedingungen ausweichen.

Ein anderer Grund liegt darin, dass ausgewachsene Fische oft andere Anforderungen an ihren Lebensraum haben als ihr Nachwuchs: Während die adulten Tiere sich meist von kleineren Fischen oder Wassertierchen ernähren, besteht die Nahrung der Fischlarven aus den Reserven ihres Dottersackes und den Eiern winziger Krebstiere. Um Fressfeinden aus dem Weg zu gehen, brauchen die kleinen Jungfische außerdem mehr Schutzräume als ihre Eltern, die oft aufgrund ihrer Größe nicht jedem Räuber zum Opfer fallen.

Um diesen unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, nutzen Fische verschiedene Lebensräume. Manche Fische wandern dafür innerhalb eines Gewässers. Die extreme Ausprägung solcher Wanderungen findet sich bei den Wanderfischen, die sogar zwischen Meer und Fluss wechseln. Diese Strategie hat eine Reihe von Vorteilen, denn die Lebensräume dienen vornehmlich nur jeweils einem Zweck: der Geburtsort bietet die optimalen Bedingungen für die sichere Entwicklung der Eier, die daraus schlüpfenden Jungfische müssen aber abwandern, um genügend Futter zu finden. Außerdem vermindert die Trennung der Lebensräume verschiedener Altersstadien die Konkurrenz zwischen den Jahrgängen. Die Wanderung stellt also eine alternative Überlebensstrategie für die Fische dar und findet bei einer Vielzahl von Arten und in verschiedenen Lebensräumen statt.

Hecht |Foto:123rfHecht |Foto:123rf

Welchen Herausforderungen stellt sich der Wanderfisch?

Auf der Reise zwischen Meer und Fluss müssen sich Wanderfische vielen natürlichen Gefahren stellen. Fressfeinde mit verschiedenen Jagstrategien lauern in den Gewässerregionen, die sie durchwandern. Das macht eine Anpassung der Fische an ihre Räuber erforderlich.

Der Wechsel zwischen den Lebensräumen macht außerdem eine Anpassung an das Salzwasser der Meere und das Süßwasser der Flüsse erforderlich. Da Salz dem Körper Wasser entzieht, würde der Übergang in das salzige Meereswasser den Fisch austrocknen, wenn er nicht Mechanismen entwickelt hätte, die ihn vor dieser Austrocknung schützen. Einige Fische, die das salzige Meereswasser trinken oder über ihre Haut aufnehmen, geben das aufgenommene Salz wieder über ihre Kiemen ab. Andere Meeresbewohner vermeiden die Aufnahme von Salz oder geben hochkonzentrierten Urin ab, indem sie so wenig wie möglich Wasser über den Urin ausscheiden. Andererseits stellen die geringen Salzkonzentrationen der Flüsse die Wanderfische vor die Herausforderung die wichtigen Nährstoffe aktiv aufzunehmen. Hierfür nutzen sie ihre Kiemen und scheiden überschüssiges Wasser über ihren Urin aus, der sehr verdünnt ist.

Abwasser |Foto:123rfAbwasser |Foto:123rf

Auch menschliche Eingriffe hinterlassen ihre Spuren: Da die besondere Lebensweise der Wanderfische sie abhängig von verschiedenen Lebensräumen für die Eiablage, das Aufkommen der Jungfische, ihrer Jugendstadien und Elterntiere macht, müssen Flüsse und Meere für sie durchwanderbar sein. Bauwerke wie Wehre und Staudämme sorgen aber dafür, dass die Wanderrouten der Fische oft versperrt sind. Anlagen zur Wasserentnahme tauchen im Verlauf des Flusses häufig auf, in denen sich wandernde Fische verfangen und verenden. Zwar stellen diese Hindernisse für viele Wasserbewohner eine Herausforderung dar. Wanderfische gelten aber als besonders bedroht, da die Sicherung ihres Nachwuchses von der Durchgängigkeit der Gewässer abhängt.

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